Was einen Menschen ausmacht, ist oft, was ein Mensch macht. Also auch das, was er herstellt! Die ältesten Werkzeuge sind mehr als 2 Millionen Jahre alt, der älteste Schmuck erfreute unsere Vorfahren bereits vor unvorstellbaren 175.000 Jahren! Wir alle tragen das Erbe unserer Schaffenskraft in uns, mit uns, es macht den Großteil unserer heutigen (Um-)Welt aus, im Positiven, wie im Negativen. Jedes mittlerweile essentiell gewordene Smartphone, jede Super-KI der Zukunft, jeder noch so hoch entwickelte Weltraumsatellit findet seinen Ursprung in einem scharfen Stein oder einem spitzen Stock.

Als Peter uns sein Steinzeit-Werkzeug präsentiert hat, war die Begeisterung so groß, dass wir euch im Sommer eine ganze Woche im Zeichen des Steinzeit-Handwerks anbieten.

Komm mit! Lass uns gemeinsam auf Zeitreise gehen! Nicht mit einem Buch auf der Couch, nicht mit einer Geschichts-Doku aus dem Netz. Wir sprechen von echter Haptik. Vom Er-Leben! Von Blasen auf den Händen, von Misserfolgen, von Freude und letzten Endes von Stolz. Und von Demut. Peter freut sich auf euch!

Ihr könnt diese Themen-Tage einzeln buchen oder auch in Kombination, ganz wie es auch beliebt.

Prinzipiell ist der Kurs für Interessierte aller Altersgruppen offen. Da es mitunter sehr fordernde handwerkliche Tätigkeiten sind, empfehlen wir ein Mindestalter von 12 Jahren.

Pro Workshop beträgt der Kursbeitrag € 90,-

Tag 1 (Mittwoch): Gefäße aus Birkenrinde.

Es war stets wichtig Behältnisse zu haben. Sei es um Beeren zu sammeln, Brennholz zu tragen oder auch nur um sein Messer sicher zu verwahren.

An diesem Tag fertigen wir unterschiedliche Modelle von Birkenrindenbehältern. Dabei orientieren wir uns an historischen Vorlagen aus dem Neolithikum, den First Nations Nordamerikas oder den wunderschön verzierten traditionellen russischen Gefäßen. Wer möchte, kann sich auch eine Messerscheide aus Birkenrinde flechten. Und wer ganz schnell ist, kann selbstverfreilich auch beides machen!

Ziel am Ende des Tags: Ein selbst gefertigtes Behältnis aus Birkenrinde, genäht mit gespaltenen Fichtenwurzeln. Auf Wunsch auch Verzierung/Dekoration möglich. Oder eine Messerscheide aus geflochtenen Birkenrindenstreifen. Messer kann ich auf Wunsch zur Verfügung stellen. Schreibt mir eine Mail, wenn ihr das wollt.

Materialkosten sind nicht im Kursbeitrag enthalten und werden mit Peter nach Verbrauch abgerechnet (ca. € 25,00).

Tag 2 (Donnerstag): Steinzeit-Schmuck

Nordamerikanische Ureinwohner von der Pazifikküste handelten mit Muscheln mit den Südwest-Stämmen. So waren die Bewohner der Plains ganz verrückt nach Dentalium-Muscheln, welche sogar manchmal ihren Weg bis zu den Inuit in Alaska fanden und dort als Ohrgehänge oder um den Hals getragen wurden, aber auch als Zahlungsmittel galten.

Wir verwenden für die Schmuck-Herstellung: Knochenperlen, hohle Vogelknochen, Zähne, Klauen, Krallen, Muscheln, Schnecken, Steine, Holz, Rinde usw. Die Schnüre drillen wir selbst aus Lindenrindenbast, Löcher werden geschliffen, gekratzt oder gebohrt. Authentische Vorlagen stelle ich nach Möglichkeit zur Verfügung!

Materialkosten sind nicht im Kursbeitrag enthalten und werden mit Peter nach Verbrauch abgerechnet (ca. € 25,00).

Tag 3 (Freitag): Pfeilebau auf ‚Steinzeitart‘

An diesem Tag ist unser gemeinsames Ziel die Herstellung eines kompletten und schussfähigen Pfeiles der Steinzeit.

Wir sprechen über die richtige Wahl des Holzes (und warum schlechteres Holz manchmal auch besser ist), betrachten die Länge, Stärke und Form des Schaftes, diskutieren Vor- und Nachteile von Spitzen aus Feuerstein, Knochen oder Holz und deren unterschiedliche Formen für die Jagd oder den Kampf. Wir bearbeiten Feuerstein und Knochen und arbeiten mit natürlichen Klebstoffen (Birkenrindenpech, Harz/Ruß/Wachs, Knochen-, Haut- oder Fischblasenleim) für die Spitze und die Befiderung. Danach brauchen wir nur noch Sehnenfäden für die Wicklung von Federn und Spitze und schon sind wir schussbereit! Eine Menge Arbeit, wahrlich, aber es lohnt sich!

Ziel am Ende des Tags: Zumindest ein Pfeil, komplett selbst gefertigt, individualisiert (Größe, Stärke, Verwendung) und schussfähig. Übrigens: Nach all der Arbeit für einen(!) Pfeil werdet ihr verstehen, warum man Pfeile gekennzeichnet hat (cresting), um sie nach der Jagd wieder zurück zu bekommen!

Materialkosten sind nicht im Kursbeitrag enthalten und werden mit Peter nach Verbrauch abgerechnet (ca. € 25,00).

Wir freuen uns auf euch und auf ein Handwerk der ganz besonderen Art!!!

Tag 4 (Samstag): Nachbau eines Messers/Dolches der Inuit

Inuit-Steindolch. Nach historischem Vorbild wird aus einem Stein (Serpentinit, Schiefer o.ä,) eine Dolchklinge oder ein Fischmesser gefertigt. Dazu verwenden wir lediglich das, was die First Nations über Jahrtausende zur Verfügung hatten: eine Steinplatte, Sand und Wasser. That’s all!

Dazu ein Griff aus Knochen, Geweih oder Holz sowie eine traditionelle Scheide aus Schwemmholz, Rohhaut oder Leder, genäht selbstverständlich mit Naturmaterialien wie Sehnenfäden und Knochennadeln. Zeitintensiv! Aber wow! – das lohnt sich!

Ziel am Ende des Tags: Ein nach historischem Vorbild gefertigter Stein-Dolch der Inuit.

Materialkosten sind nicht im Kursbeitrag enthalten und werden mit Peter nach Verbrauch abgerechnet (ca. € 25,00).

Tag 5 (Sonntag): Herstellung einer Nadelbüchse (aus Knochen oder Geweih) sowie Knochennadeln nach dem Vorbild des letzten Naturvolkes Europas, der Saami. Wenn es sich zeitmäßig ausgeht fertigen wir dazu noch Knochennadeln und verdrillen Nähzwirn aus Sehnenfasern.

Sich Kleidung und Schuhe zu nähen ist die wahrscheinlich wichtigste Erfindung des Menschen nach dem Feuermachen.

Wir sprechen über unterschiedliches Nähmaterial (Sehnenfasern, Rohhautstreifen, Lindenrindenbast, Brennnesselfasern etc.) und versuchen diese selbst herzustellen. Danach fertigen wir eine Nadel aus Knochen bzw. aus einer Geweihsprosse und verwenden dazu lediglich Feuersteinklingen, Sand und Wasser.

Um Nadeln, Fäden und den Fingerhut(!) griffbereit aufzubewahren, fertigen wir eine kunstvolle Nadelbüchse aus Geweih oder Knochen. Wenn ihr wollt könnt ihr diese mit Ritzverzierungen eurer Wahl noch aufpeppen! Wem das zu aufwändig ist, der kann sich auch eine simple Dose aus Birkenrinde machen.

Ziel am Ende des Tags: Eine (mehrere) Knochennadeln sowie mehrere Meter Nähmaterial unterschiedlicher Quellen. Anfertigung einer Nadeldose aus Birkenrinde, Knochen oder Geweih (Vorbild Saami)

Materialkosten sind nicht im Kursbeitrag enthalten und werden mit Peter nach Verbrauch abgerechnet (ca. € 25,00).


Kursleitung

Peter über sich: Philantroph und 'Neugieriger' aus Überzeugung. Ich suche die Menschen. Ich möchte sie (besser) verstehen! Auf der Suche nach der Definition und den Ursprüngen des Menschseins führte mich mein Weg über die Leuchttürme der Philosophie, der Soziologie und der Anthropologie schließlich auf das weite Meer des Handwerks.

Wir leben im – wie ich es gerne nenne – EGO-zän, dem Ich-Zeitalter. Doch diese kurzlebige Bubble menschlicher Hybris sollte uns unsere Wurzeln nicht vergessen lassen. Wahre Weisheit gebietet uns Demut stets über Arroganz zu reihen.

Wenn ich mit primitiven (nicht einfachen!) Techniken Werkzeuge, Waffen oder Kunst unserer Vorfahren nachbaue, fühle ich mich auf ganz besondere, auf zauberhafte Weise ihnen verbunden. Klopfe ich meditativ einen Stein, schließe dabei meine Augen und gleite in der Zeit zurück, dann ziehen vor mir riesige Rentierherden vorüber, ich rieche förmlich den Duft von frisch gegerbtem Leder, schmecke das Birkenrindenpech zwischen meinen Zähnen und spüre das weiche Moos in meinen Schuhen. Meine Fingerkuppen sind rau von der Birkenrinde, aus der ich Gefäße fertige, meine Zunge schmeckt noch die Fichtenwurzeln, mit denen ich Körbe nähe. Neben mir klopft ein Meister seines Faches kunstvolle Feuersteinklingen, von Ferne höre ich das Jubelgeschrei der Kinder, sie haben einen Fisch gefangen. Das Feuer wärmt mir den Rücken, der Himmel über mir ist weit und mein Blick gleitet in die Unendlichkeit der Zeit...