Das Sensenmähen ist eine jahrhundertealte Kulturtechnik, die wie so manch andere Handwerkstechnik in Gefahr ist, auszusterben. Die Kunst mit der Sense ist heute zu einem nicht enden wollenden, nervtötenden Rasenmäher(traktor)terror verkommen. Allerlei Maschinen geben vor, die Arbeit besser machen zu können; tun es aber zumeist nicht.

Jahrhundertelang zogen Schnitter im Morgengrauen, wenn das Gras noch feucht ist, aus, um im Sensentakt die Wiesen zu mähen. Hinter der fast meditativen Leichtigkeit, mit der gute Schnitter wie Klaus Kirchner oder Stuff Klier die Sense führen, steckt natürlich immer auch ein gutes Werkzeug, die richtige Technik und viel Übung. Klaus ist zertifizierter Sensenlehrer, Supervisor und Coach und weiß aus Erfahrung, dass so ein Sensenmähkurs immer auch eine gute Gelegenheit ist, um über Arbeit allgemein und die eigene Arbeit im Besonderen nachzudenken. Stuff ist Kunstschmied und ein seit seinen Kindertagen ein wahrer Meister im Dengeln.

Klaus und Stuff bringen für jede und jeden von euch SchnitterInnen eine Sense mit einem ergonomischen und auf die jeweilige Körpergröße einstellbaren Sensenbaum, Wetzsteine und Dengelwerkzeuge mit. Die Sensen und das Werkzeug, das ihr an diesem Wochenende verwenden werdet, kommen nicht aus dem Baumarkt, dem Lagerhaus oder einer rumänischen Stahlwalzerei, sondern werden in Österreich und der Schweiz hergestellt. Pensionierte und passionierte Sensenschmiede aus Oberösterreich haben sich im Österreichischen Sensenverein zusammengeschlossen, um eine optimale zeitgenössische Sense mit einem ergonomischen und auf die Körpergröße einstellbaren Sensenbaum zu entwickeln.

Sensen bringt – auch das haben Klaus und Stuff in ihren zahlreichen Kursen erfahren – immer auch Geschichten und Erinnerungen mit sich. Da ist die jüngste Tochter einer Bauernfamilie, die als einzige der Schwestern das Sensen vom Vater nicht gelernt hat, das Kind, das dem Großvater beim Dengeln auf die Sense spucken durfte, der Sohn, der sich geärgert hat, dass die Eltern erst nach seinem Auszug einen Rasenmäher besorgt haben, … 

Um bei diesem Kurs mitzumachen,  brauchst Du aber kein Bauer und keine Bäurin, nicht einmal GrundbesitzerIn sein. Wenn du keine eigene Wiese zum Mähen zuhause hast, gibt es auch die Möglichkeit mitzuhelfen, eine Wiese unter Naturschutz einmal im Jahr mit der Sense zu mähen (das ist sogar in der Stadt Wien möglich). Wer mit der Sense mäht, kann zudem die Vögel zwitschern hören, muss den Nachbarn nicht mit Rasenmäherlärm das Wochenende verleiden und kann das duftende, frisch geschnittene Gras riechen, ohne ein Kabel hinter sich her zu ziehen.

In diesem Sensenkurs können sich Menschen aller Altersgruppen – Familien, Großeltern mit Enkel, Eltern mit Kind, IndividualistInnen – zusammenfinden. Pro Tag wird maximal 5 Stunden mit der Sense gearbeitet werden, davon 3 am frühen Morgen, wenn das Gras noch feucht ist.Den Umgang mit Werkzeug, Energie, eigener Kraft und Haltung, sowie die Einstellung zu “Fortschritt”, “Ökologie”, “Luxus oder Zwang” praktisch zu erleben und ausführlich zu diskutieren, dazu wird auf jeden Fall Jede und Jeder an diesem Schnitterwochenende ausreichend Gelegenheit finden.


Herzlich willkommen zu diesem schnittigen Wochenende in Schrems!


Kursleitung

Klaus Kirchner ist im Hauptberuf Supervisor, Coach und Balint-Gruppen-Leiter und begleitet Menschen beim Reflektieren ihres Umgangs mit Arbeit und KollegInnen am Arbeitsplatz.

Stuff Klier mäht seit seiner Jugend mit allen Mitteln und Techniken. Er ist Künstler, Schnitter und Schmied.