Ute Karin Höllriegl

«UND DANN MEINE SEELE SEI WEIT»

MUSS DIE REVOLUTION VON UNTEN KOMMEN?

Mit diesem uns überraschenden Gedanken von Gunnar Decker, unserem Schriftsteller aus Berlin, endete spätabends das Pfingst-Symposium 2026 zu Franziskus in der GEA Akademie. Wir saßen dicht gedrängt um «Bruder Feuer» - inspiriert von der Hoffnung, dass unsere Wandlung und das Einbringen des eigenen Talentes auch die Welt verändern werden!

DIE VISIONÄRE RILKE UND FRANZISKUS

In Rilkes Aufruf «Und dann meine Seele sei weit», verbindet sich der Dichter Rilke, der uns im Pfingst-Symposium 2026 begleitete, mit dem Mönch Franziskus. Beide inspirieren uns zu Hoffnung, Wandlung, dem Mut zum eigenen Talent und es mit anderen Menschen zu teilen.

Heini leitete die Veranstaltung mit dem Gedicht «Wolle die Wandlung» gekonnt ein und ließ darin Dichter und Mönch in der Weite unserer Seele einander annähern.

AUFKLÄRUNG

Gunnar und Kerstin Decker klärten uns am Samstagmorgen zunächst über das Mittelalter und die nicht einfachen und doch so konsequenten Leben von Franziskus und Klara eindrücklich auf. Sie ließen uns in ihren bewegenden Ausführungen Erschrecken, Staunen, Aufatmen und Trennendes annehmen und neu verbinden. Und sie blieben beide unverrückbar bei ihrer Botschaft. Wir wurden darin ebenso zum Erkennen wie zum Versöhnlichen herausgefordert. Und immer wieder neu dazu angeregt, bei uns selbst zu beginnen!

VERZICHT AUF SCHULDZUWEISUNGEN – BEI UNS SELBST BEGINNEN

Dazu rief uns am Sonntagmorgen vornehmlich der Franziskanermönch Mile Babic aus Sarajevo immer wieder eindrücklich auf. Vor allem darauf zu verzichten, Schuldzuweisungen nach außen und an andere zu richten, und stattdessen bei uns selbst zu beginnen.

Als Tiefenpsychologin nach C.G. Jung versuchte ich die anregenden Botschaften für uns in die Gegenwart zu übersetzen und Wege anzuregen. Wie jenen: «Den Tag mit der bewussten Übung unserer weisen, abwägenden Mitte - gleich dem Sinnbild einer Waage - zu beginnen und aus ihr heraus unsere inneren gegensätzlichen Gefühle zu „ordnen“ und unsere inneren erhellenden Gefühle von den Schattenseiten zu trennen. Aus unserer gestärkten Mitte heraus können wir die dunklen Seiten bearbeiten. Sie schießen von selbst ein, das Lichtvolle haben wir bewusst zu schöpfen ebenso wie die uns erhellenden Einstellungen Zuversicht und Vertrauen. In diesem regelmäßigen Ritual können sich die gegenspielenden Schatten, wie Zweifel und Angst verwandeln.

DAS ACHTSAME TÄGLICHE ÜBEN LÄSST UNS REIFEN

Rilke - «Wie die Erde uns reift» - Stufe um Stufe und gegebenenfalls uns mit uns selbst und dem Nächsten versöhnen.
Aus dem Gehen eröffnen sich der nächste Schritt und Weg!
«Der Sinn frägt uns»

«Wolle die Wandlung»
stand von Anfang an im Mittelpunkt unseres pfingstlichen Be –Sinnen.

Viktor Frankl lehrt uns, dass der «Sinn uns frägt». Der Tiefenpsychologe C.G. Jung erforschte dazu einen sinnbezogenen Prozess in der Tiefe unserer Innenwelt.

Wir erinnerten uns weiters gemeinsam welcher Reichtum in uns unbewusst verborgen ist und geschöpft werden will. Die Leben unserer großen Mystiker:innen wie Teresa von Avila, Franziskus und Klara offenbaren uns diesen überzeitlichen Reichtum in uns und seine Wirksamkeit. Diese großen Vorbilder entfachen mit ihrem mutigen, auch Schmerzen erleidenden Leben, in uns «Begeisterung» - diese gemeinsame Sprache des Pfingst-«Geistes».

DAS GEHEIMNIS DER WANDLUNG

Doch zurück zum Beginn des Symposiums – inspirierend rezitierte Heini Staudinger das Rilke Gedicht «Wolle die Wandlung darin sich dir kein Ding entzieht, das mit Verwandlung prunkt“.


Es durchstrahlte unsere Tage «unser inneres Wachsen» aus einer Mitte, die wir erspürten zwischen Licht und Schatten, die unserem Leben Sinn verleiht und kreierte in uns einen «ruhenden Punkt im JETZT».

Ein Sinnbild, das in uns Vergangenes und zu Erstrebendes vereint.

Wie bereits erwähnt, hält uns Gunnar Decker am Samstagmorgen einen begeisternden Vortrag zu Franziskus und ebenso Kerstin. Sie überrascht uns am Ende humorvoll, dass es mehr Mystikerinnen gibt als Mystiker.

In ihren beiden sorgfältigen Klärungen ließen sie uns hoffnungsvoll zurück mit der Inspiration bei uns selbst zu beginnen. Auf meine anschließende dringende Frage: «Was dürfen wir hoffen?» schenkten sie uns die Antwort: «Hoffen, dass sich in unserer eigenen steten Verwandlung auch die Dinge in der Welt ändern können – werden!»

Ich erinnere, dass «Wandlung» ebenso die Essenz des letzten Pfingst-Symposiums zu Rilke gewesen war. In dieser Ermutigung, dass wir alle im Dienst unseres Talentes (das was uns begeistert) beitragen können, dass der Humanismus ganzheitlich immer mehr Raum erhält.

Nicht zuletzt, sind wir darin gefragt auch immer wieder «dankbar» zu erinnern, was in unserem Leben an Gutem da ist, wie Wasser, Licht und Brot - und zu erkennen, welchen Reichtum wir im Unbewussten tragen, der erkannt werden will. Aus dieser Kraft können sich unsere Widerstände Schritt für Schritt wandeln.

Wie gesagt, C. G. Jung, einer der großen Pioniere tiefenpsychologischer Entwicklungen hat sich nach Freud diesem heilenden Prozess des Unbewussten, den wir in uns tragen, gewidmet. Diesen sind wir gefragt zu schöpfen. Viktor Frankl formulierte es überzeugend «Der Sinn frägt uns«!
Die Schattenseite wirkt automatisch. Zu dieser Wandlung, die uns als Talent auch eingeprägt ist, sind wir als Mensch gefragt. Sie in den Dienst des Gemeinsamen zu stellen, bewirkt den Sinn, zudem wir dringend von Frankl noch in seinen späten Lebensjahren aufgerufen wurden.

Das Pfingst-Symposium der GEA Akademie inspiriert weiters in den vielfältigen begleitenden Workshops und mit all den helfenden Kräften immer wieder zu dieser ganzheitlichen Hinwendung zum Menschlichen.

Ein Dank den emsigen Mitarbeitern im Büro, die unsere Unterkünfte betreuten, die Hilfskräfte, die die Räume für uns frei machten und gestalteten.

Nicht zuletzt danken wir unserer Renate, die überall mitwirkte, dass die Dinge letztlich gelingen können. Nicht zu vergessen die fleißigen Köchinnen und Köche die das wunderbare Essen bereiteten.

Ihnen allen sei hier nochmals gedankt – und all den stillen Helferinnen und Helfern im Hintergrund!

Heini erhielt für sein humanistisches Engagement für die Welt einen dafür ausgerichteten «Harlekin-Preis» vom Gründer, Herrn Hausmann überreicht. Wir alle in großer Zustimmung freuten uns mit ihm!

Kunst bewirkt in unserer Seele Hoffnung. Sie lässt uns im «Aus- und Eingehen in der Verwandlung» immer wieder neu «den ruhenden Punkt aus einer Mitte» erfahren! Diese schenkte uns besonders Franz Froschauer in seinem Literarischen und Musikalischen - mit seiner Lesung zu Gedichten von Rilke, Dorothee Sölle und Gottfried Benn durften wir Samstagabend beseelt in die Nachtruhe gehen.

Unsere charmante, lebenserfahrene Christa aus dem hohen Norden begleitete wieder kundig und geduldig alle Veranstaltungen. Sie schiffte uns durch alle Klippen. Ihr sind wir zu besonderem Dank verbunden.

«UND DANN MEINE SEELE SEI WEIT» - wird hierin nicht schon spürbar der Funke einer geistigen Revolution von unten im Innen gelegt?

«Der Weg ist das Ziel.»


«UND DANN MEINE SEELE SEI WEIT! »

Diese poetische Vision Rilkes las Franz Froschauer unvergesslich für uns am Pfingstfest vergangenes Jahr. Er rezitierte aus seinem Buch «Ausgewählte Gedichte zu Rilke» und dann «meine Seele sei weit«. Dieser poetische Aufruf klingt noch in uns nach und wird uns mit dem Poeten und Visionär Franziskus verbinden.

«und dann meine Seele sei weit« wieder-holte er langsam.

Und wir alle erfuhren an diesem Pfingstfest zu Rilke diese Weite eines Begeistertseins und von Freude erfüllt dankbar werden.

Dieses Erweitertsein hielt monatelang unter uns an und wir tauschten uns immer wieder begeistert über diese erfahrene Weite aus.

Heini und Beat Anthamatten, unser Gast aus der Schweiz, sind sich gewiss, dass man ein solches Ereignis nicht machen kann. Es ist auch eine

«Gabe» der ein gemeinsames Herzens-anliegen zugrunden liegt.

«BEGEISTERUNG», EINE GEMEINSAME SPRACHE

Dieses Anliegen liegt uns ebenso an diesem Pfingsten am Herzen, denn «Begeisterung» ist eine uns alle verbindende Sprache.

Rilke, wie Franziskus, waren begabt, diese Weite in uns zu entfachen. Im Innen werden wir alle in der Tiefe vom selben Geist ergriffen und «weit» über unser Persönliches hinaus.

Das Leben beider - Rilke und Franziskus – war von diesem Geist erfasst, der unsere Weite inspiriert. Darin sind sie uns mit ihrem Leben auch noch heute Leitbilder. Beiden ist die Poesie eine Gabe, diejenige Rilkes klingt noch in uns und will sich mit jener von Franziskus an diesem Fest vereinen.

Zwei Visionäre die unseren tiefsten menschlichen Urgrund berühren.

Franziskus inspirierte auch Rilke zu seinem Zyklus zu einer Reihe von Gedichten von der Armut und vom Tode.

**Heini -Gedicht aus Stundenbuch von Rilke «zur Armut …und zum Tode**

Beider Leben sind von diesen Seinsweisen ergriffen gewesen.

DAZU TALENT DES FRANZISKUS NACH HESSE

Hesse formuliert ein solch gelebtes Leben als nichts anderes als eine Rückkehr zum Anfang der Schöpfung und als einen sinnlichen Gruss aus Gottes Paradies.

Die Heldenleben strebten in unersättlichem Drange an die ersten reinen Quellen aller Kraft und jedes Lebens zurück, gingen mit den geheimnisvollen Seelen der Erde, Pflanzen, und Tieren um mit ihresgleichen und ihnen verwandten Seelen und begehrten…

In ihren Nöten und Herzensfragen unvermittelt mit Gott selbst zu reden.

RILKE – HESSE

Der von Franziskus inspirierte Künstler
»Hermann Hesse« schreibt dazu:

«Verwandelt, gebrochen und bescheiden kehrte er aus seinem Ritterleben zurück. Seine Rüstung verschenkte er einem Edelmann»

Seine Unruhe des Herzens, die ihm eigen war, brauchte allerdings ein neues Ideal, um sich in sein glühendes Lebensgefühl hineingießen zu können, das ihn seit seiner Kindheit beseelte.

LEBENSMITTE, UMKEHR UND WEG VON

FRANZISKUS

Franziskus bekehrt sich vom reichen nach aussen orientierten, die ritterliche Karrieren anstre- benden Jüngling zur bedingungslosen Spiritualität von Christus und seiner Armut, einem asketischen Leben nach innen, wie es franziskanischen Mönchen eigen ist.
Er verschenkt seine ritterliche Rüstung und lebte fortan beispielhaft für uns seine mit Menschlichkeit, indem er seinen Reichtum an die Armen verschenkte und er selbst lebte in extremer Bescheidenheit.

Als Tiefenpsychologien möchte ich mich vor-nehmlich auf die Lebensmitte und Bekehrung von Franziskus konzentrieren und einige Erfahrungen aus meiner Arbeit mit Ihnen teilen.

LEBENSMITTE FRANZISKUS UMKEHR

Hier ist uns Franziskus Leitbild eines irdischen und göttlichen Ursprungs, der sich früh bei ihm bemerkbar machte. Sein Weg zeigt uns, es ist kein einfacher.

Zunächst ging er bei ihm durch bittere Kriegserfahrungen und Krankheit, die Franziskus erst in der Lebensmitte die Augen für seine eigentliche Bestimmung öffneten.

Als ihm durch diese bitteren Erfahrungen seine eigentliche Bestimmung bewusst wird, bleibt er ein Brennender – «wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe» setzte er dann seinen Weg radikal in sein Leben um.

***Gedichte Rilke – Heini***

Wolle die Wandlung und

Leben in wachsenden Ringen

LEBENSMITTE - SEIN PERSÖNLICHER WEG

DORTHIN

Franziskus lehrt uns vor allem drei Dinge: Wir tragen eine Bestimmung in uns, die uns schon in der Kindheit beseelt. Wir nehmen sie eben, wie gesagt, zumeist als eine Unruhe des Herzens oder Sehnsucht wahr, der wir in der Suche folgen und die im strebenden Dranbleiben zu einem Übungsweg wird. Er findet uns plötzlich in Fügungen eines Buches oder eines Pfinstsymposiums in der GEA Akademie, in Visionen und Träumen, die sich in uns ereignen.

Zwei Drittel unseres psychischen Urstoffs sind uns zunächst unbewusst und «brennen» leise unbemerkt in uns weiter und machen sich bemerkbar in Störungen unserer inneren Ruhe.

FRANZISKUS UND DAS WEIBLICHE

Franziskus integrierte darin das Weibliche, da er in der Lebensmitte den bewussten Weg nach innen ging und Visionen und Träume ernst nahm und einbezog.

Das Weibliche – die Begeisterung, die wir dem Sinnbild eines Kindes in Träumen wahrnehmen sind wir gefragt auszutragen, bis es reif ist zur Geburt und dann achtsam Schritt für Schritt ins Leben begleiten.

Für die innere Welt und Wandlung ist die Frau – auch als Trägerin des göttlichen Kindes - in sich nicht nur als Mutter, sondern auch des weiblichen, in der Gabe der Versöhnung für die Welt gefragt. Ist sie ihr von Natur aus näher.

WEIT WERDEN

WAS BEDEUTEN DIESE «CHRISTUS ERFAHRUNGEN HEUTE IN UNSERER VERÄUSSELICHTEN WELT?

In der Lebensmitte steht unsere Seele in uns auf und will «weit werden». Die erste irdische Lebenszeit hat sich gestaltet und braucht nicht mehr unsere ganze Aufmerksamkeit und es meldet sich unser Unbewusstes mit verstärkter Stimme in der sog. Midlife crisis oder einem Burn- out.

Und sie frägt uns nach dem Sinn unseres Lebens, dem Talent unserer tieferen Bestimmung einer Verwandlung zum «ganzheitlichen Menschen» zu werden - über unseren biologischen Ursprung hinaus.

ERFAHRUNGEN

MEINER 16-JÄHRIGEN BEGLEITUNG IN DER GEA- AKADEMIE NACH INNEN

Wie stark sich unsere Seele auch jetzt danach sehnt, weit zu werden, in dieser nach außen hin orientierten Welt, erfahre ich in meiner Arbeit in der GEA-Akademie immer wieder.

Der erste Schritt ist immer Aufbruch. Eine Reise in die GEA-Akademie, oftmals von weit her und viele nehmen Wege auf sich, aus der inneren Sehnsucht nach dem rilk’schen Weltinnenraum.

Wir staunen und erfahren dann gemeinsam, was uns im Innersten bewegt und wie begabt unsere Seele ist, «weit zu werden»!

WIE WIRD UNSERE SEELE WEIT?

Diese, unsere Berufung, wird uns als Mensch schon in die Wiege gelegt.

Mit wenigen Ausnahmen, insbesondere Musikern, wird sie uns in der Lebensmitte neu oder erst bewusst. Das Unbewusste in uns wird lebendig, wie auch in der Pubertät. Wir nennen es Midlife-Crisis oder Burnout.

Schon früh zeigte sich auch bei Franziskus diese seine eigentliche Berufung in kleine Episoden, wie jene, mit einem Bettler, den er zunächst abwies und ihm dann nachlief, um ihn zu beschenken.

Franziskus, der aus dem Innersten berufen war, war zunächst bürgerlich stark eingebunden und strebte dem Rittertum im Aussen nach. Der spätere, so bedingungs-lose Mönch, musste sich wie Rilke, durch schwierige Lebensphasen aus seiner irdischen Welt lösen.

FRANZISKUS HEUTE

Wie kann der Geist von Franziskus unsere Seele weit werden lassen?
Es ist eine Frage an unser Menschsein, die seit Urzeiten menschliches Leben bewegt

«Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?»

Da uns als Mensch - anders als in der Pflanzen- welt, die ihrer Bestimmung gemäß zu der wird, zu der sie bestimmt ist und der sich Franziskus besonders verbunden fühlte - wohnt uns als Mensch ein Gegenspieler inne. Allerdings wurde auch Franziskus in jungen Jahren von dem «ehrgeizigen Schatten» einer ritterlichen Lauf- bahn bedrängt. Erst nach seiner Umkehr fand sich Franziskus immer wieder in den Le Celle, zur Einkehr und zum Gebet.

Wie wird also unsere Seele heute weit? Da auch uns unbewusst, ein uns immanenter Gegenspieler treibt.

DER WEG IST DAS ZIEL

FRANZISKUS «IN UNS» HEUTE

WIR KÖNNEN UNS DER REISE NACH INNEN NICHT MEHR ENTZIEHEN (ANAIS NIN)

Wie erkennen wir die Bestimmung zu unserer Reise heute?

In einer Sehnsucht zu reisen und dieser Sehnsucht zu folgen, denn eigentlich liegt diesem Sehnen »weit zu werden und anzunehmen, dass wir zu dieser Weite und Reise Bestimmte« sind!

Und wir werden zu Suchende. Welche Orte oder Länder «begeistern» uns besonders?

Im Entscheiden und Aufbrechen beginnt die Reise.

Die nächste Station entsteht aus dem Reisen selbst. Gefragt ist ein «wozu» dieser Ort?

Im Erkennen und uns wandeln geht die Reise von selbst weiter.

Aus dem Bewusstwerden und schöpfer-ischem Gestalten wird es in uns weit und wir reisen weiter.

Ab nun geht das Reisen wie von selbst. Wir können nicht mehr anders als weiter zu reisen und werden darin immer weiter.

Das Reisen gestaltet sich zwischen innen und aussen und vice versa.

Aus einer Mitte zwischen Unbewusstem und Bewusstem trennen wir zunächst Licht- und Schattenseiten und versuchen aus den Kräften des Erhellenden die Schatten anzunehmen, nicht zu nähren und ordnen sie täglich mediativ immer wieder neu.

Dazu sind wir heute im Geiste Franziskus gefragt, die Reise nach innen anzutreten, in den Sinn unseres Menschseins in ein ganzheitliches Werden.

Wie erfahren auf dieser Reise Sinn und erkennen unsere Bestimmung in dem Folgen einer Sehnsucht, einer Unruhe des Herzens, einem Getrieben- oder Unzufriedensein, das uns in eine immer grösser werdende Weite führt. Dies lässt uns immer wieder Suchende bleiben und wir werden Strebende. Und es wird uns darin bewusst, dass wir bereits auf unserem «Weg» sind.

Aus dem sich plötzlich auf dem Weg fühlen, der uns ja weiter aufträgt, das uns Erhellende zu schöpfen und die Schatten zu verwandeln, erfahren wir Frieden und Sinn. Auf diesem Weg sind uns Franziskus, Rilke, Hesse

und andere wie Viktor Frankl, Freud und Jung vorausgegangen und Leitbilder, die mit ihrem Leben unsere Wandlung in eine Weite vorbereitet haben.

GEMEINSAME MEDITATION MIT ALLEN – EINE ERFAHRUNG

WAS BEDEUTET DENN DIESES LEBEN VON FRANZISKUS VOR JAHRHUNDERTEN FÜR UNSERE WANDLUNG UND SINNSUCHE HEUTE? WIE KÖNNEN WIR IN IHR DIE HOFFNUNG BEWAHREN?

Es scheint, dass darin unsere Mitte verloren gegangen ist, die seinerzeit der Christusweg bildete.

Das Leben von Franziskus lehrt uns, sie ist «unverlierbar». Unsere Mitte ist da und es ist unsere Aufgabe, sie auf einem der Zeit entsprechenden Weg zu erkennen, zu schöpfen und zu üben.

Die Entfaltungswege, wie die Natur, die Kunst, die Atem- und Leibtherapien, die zeitgemässen tiefenpsychologischen Schulen ebenso wie die Leben grosser Heiliger und weiser Menschen sind ein Kompass und eröffnen uns in ihrem Voraus gehen die Schritte.

Wie gesagt, zunächst mit dem Schönen, das da ist, wie Franziskus – aus Visionen, Träumen, dem Wunder der Natur, der Tier- und Pflanzen-welt und der Liebeskraft in uns und für die anderen, die unserer bedürfen, für Franziskus die Aussätzigen und Armen.

Und der Weg bedeutet für uns heute besonders darin anzunehmen, dass immer wieder auch Zeiten von «Karfreitagen» dazugehören auf dem Weg nach Ostern, das gleichzeitig immer auch in uns da ist.

Für das mönchische Leben sind diese uns wandelnden Durchgänge selbstverständliches tägliches, mehrfältiges Üben.

Der Mönch richtet ja seinen Blick und geregelten Übungsweg zuerst nach innen und lässt erst dann seine Erfahrungen und seine Erkenntnisse nach aussen wirksam werden.

Das weibliche Vorbild aus der damaligen Zeit sei uns ebenso ins Gedächtnis gerufen.

EINE SINNSUCHE IN DER GEGENWÄRTIGEN

WELTLAGE - VIKTOR FRANKL

Lassen Sie uns nun einen Sprung in die Gegenwart tun zu den Weisen, die es uns in den vergangenen Jahrhunderten vorlebten – Mandela, Gandhi und in unserer Kultur Freud, Viktor Frankl und C. G. Jung, um nur einige zu nennen.

VIKTOR FRANKL,

EINER DER MENSCHLICHSTEN

PERSÖNLICHKEITEN UNSERER ZEIT

Viktor Frankl hinterließ uns nach Auschwitz seine wesentlichste Erkenntnis „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ und formuliert dazu in seinen Gedanken eine mich immer wieder neu tief beeindruckende Aussage:

«Wir müssen lernen und die verzweifelnden Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet! …..dass wir nicht mehr einfach nach dem Sinn des Lebens fragen, sondern, dass wir uns selbst als die Befragten erleben»

Der sinnerfahrene und ressourcen-orientierte Tiefenpsychologe und Arzt
C. G. Jung erforschte einen Prozess in unserer Tiefe, in dem wir unser Talent erkennen und an ihm wachsen.

Uns allen verbindende Leitlinien sind unser abendländisches christliches Verständnis, die Natur, die Kunst, und unser persönliches Kindheitsmärchen - individuell der Traum.

Aus unserer Mitte sind wir begabt uns stets zwischen den Welten zu «verwandeln».

Wandlung ist das stete, zuverlässige in uns, sagte mir letzten Sonntag Bruder Raphael aus dem Benediktinerkloster Gut Aich.

Wandlung steht im Mittelpunkt bei Rilke, im Leben von Franziskus, im Gottesdienst der christlichen Messe, da wir Knien, bei Jung tragen wir diesen Prozess der Wandlung in der Tiefe in uns, der unsere eigentliche Entwicklung und Wandlung bewirken kann, bezieht sich unser Ich auf diesen.