Verkehr wie verkehrT

"Fetischisten des Autoverkehrs, seien es Ingenieure oder Beamte des Ministeriums, begründen den unentwegten Ausbau des Straßennetzes gern mit dem Hinweis, dass es erst zwei bis vier Prozent der Landesfläche Österreichs ausmache. Doch man stelle sich einmal vor, mit dem Körper eines Menschen würde so verfahren. Die Hautoberfläche eines Erwachsenen beträgt rund 20.000 Quadratzentimeter, vier Prozent sind 800. Würden Bahnen von nur einem Millimeter Breite in seinen Körper geschnitten, so würde er durch ein Netz von 80 Metern Länge stranguliert."  Einer von tausenden Vergleichen, für die der bekannteste und überzeugendste 'Gehzeuge' der letzten Jahrzehnte steht und geht.

Schon in den 70er Jahren entwickelte Hermann Knoflacher das 'Gehzeug', ein Holzrahmen von der Fläche eines Autos, den sich Fußgänger umhängen können, um das Verkehrte unseres Verkehrswesens bildhaft zu machen. Wer freut sich nicht und kommentiert sie nicht, die grüne Welle? Wehe, wenn sie rot! Auch die hat Knoflacher 'geplant', um die Irrationalität des Straßenverkehrs im städtischen Verkehr aufzuzeigen. Wie viel mehr an Brems- und Beschleunigungsvorgängen, Wartezeiten im Leerlauf, Schadstoffausstoß, Kraftstoffverbrauch – wie viel mehr an Lärm? Das Mehr an Ärger und den Cortisolausstoß noch gar nicht mitberechnet.

Die Missverständnisse beim Verkehr beginnen schon bei den Begriffen und setzen sich dann fort in den Auseinandersetzungen mit Verkehrsproblemen. Die Wunder der technischen Mobilität haben die Menschen, noch mehr aber die Experten im wahrsten Sinn "überrollt".  Anstatt  Probleme zu lösen werden so immer mehr erzeugt. Und wenn es passiert ist, wundert man sich darüber. Bekanntlich werden aber Fehler nicht dadurch beseitigt, dass man sie größer macht.

Eine Einführung in das Grundverständnis des Verkehrs hilft, auch unser Verhalten in dieser technischen Welt besser zu verstehen.
Eine Chance, 
Fehlentscheidungen, die auf allen Ebenen möglich sind, seltener werden zu lassen.

Heini hat in unserem GEA Frühlingsheft geschrieben, dass uns Hermann fit macht für Problemlösungen in unserem Verkehrswahnsinn. Wir freuen uns wahnsinnig auf dieses Wochenende!


Kursleitung

Hermann Knoflacher, geboren 1940 in Villach, ist der wichtigste Verkehrs(planungs)experte im deutschen Sprachraum, ist emeritierter Professor und ehemaliger Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Wien. 2017 erhielt er den Würdigungspreis des Landes Kärnten für den Bereich Baukultur.