Von meinem Bruder Karli habe ich das unglaubliche Buch "Der Trost des Nachthimmels" geschenkt bekommen. Karli meinte, es sei ein Buch über die Staatskunst. Natürlich geht's dabei um Menschen und wenn's um Menschen geht, geht s immer um Beziehungen, Liebe, Macht und natürlich auch um die Konflikte, die daraus entstehen. Und dabei finden wir, die Leser, Teile unserer eigenen Lebensgeschichte wieder. So funktioniert gute Literatur.

In diesem Buch erzählt Dževad Karahasan vom berühmten persischen Dichter, Mathematiker und Astronomen Omar Chayyam (1048-1131). Er erzählt aber auch vom mörderischen Terror der fundamentalistischen Assasinen, der vor bald 1000 Jahren das blühende, von Toleranz und kultureller Vielfalt geprägte Seldschuken-Reich zerstörte. Diese tausend Jahre alte Geschichte fesselt, während wir lesend unsere Gegenwart spüren, in der die Idee von Freiheit und Brüderlichkeit durch Hass und Abgrenzung mit Füßen getreten wird.

Ich Heini, empfinde es als ein ganz großes Glück in meinem Leben, dass Dževad Karahasan für dieses Wochenende zu uns in die GEA Akademie kommt. Wir werden mit ihm über sein großartiges Buch reden, aber auch vom Krieg, von der Macht, von der Liebe und von den Sehnsüchten der Menschen reden.


Ich freue mich sehr auf dich Dževad, auf euch und auf dieses Wochenende - herzlich willkommen!


Foto: Max Aufischer

karahasan

Kursleitung

Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno (heute Tomislavgrad) in der Teilrepublik Bosnien und Herzegowina, der früheren Bundesrepublik Jugoslawien, geboren. Aufgewachsen als Muslim erhielt er seine prägende Bildung u.a. auch von den Franziskaner-Patres. Wichtige Jahre seines Lebens verbrachte Karahasan in Sarajevo, wo er auch die Belagerung miterlebte.

Als Dozent für Dramaturgie und Dramengeschichte an der Akademie für szenische Künste bat er seine Studentinnen und Studenten in dieser Zeit, für ihre Abschlussarbeiten Komödien auszuwählen und dem Publikum der belagerten Stadt vorzuspielen. „In einer Stadt, in der alltäglich hunderte von Menschen umgebracht werden, in einer Stadt, in der es große Probleme gibt, einen Tag zu überleben, wäre es irgendwie tautologisch, geschmacklos, Tragödie oder ein absurdes Drama oder was Ähnliches zu spielen. Die Kunst muss gelegentlich sich auch gegen Wirklichkeit auflehnen.“, sagt Karahasan und spricht damit unsere Fähigkeit als geistige Wesen an, Vorstellungen und Ideen zu entwickeln und der Wirklichkeit – so grausig sie auch sein mag – entgegen zu setzen.

Dževad Karahasan ist Erzähler, Dramatiker und Essayist (und Philosoph, siehe oben!) und lebt in Graz und Sarajevo. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Romane Schahrijars Ring (1997), Sara und Serafina (2000), Der nächtliche Rat (2006) und Der Trost des Nachthimmels (2016).